Kurzaufruf LL-Demo 2019: 100 Jahre – Streik, Rätemacht & Frauenkampf!

100 Jahre – Streik, Rätemacht & Frauenkampf
Aufruf zum antifaschistischen-internationalistischen Block auf der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration

13. Januar 2019 – Liebknecht-Luxemburg-Demo – Berlin

10.00 Uhr | S/U-Bhf. Frankfurter Tor | Demonstration
Hinein in den antifaschistischen-internationalistischen Block

12.00 Uhr | Friedhof der Sozialist*innen | Gedenken am Revolutionsdenkmal
(anschließend Rundgang zu den Gräbern gefallener Revolutionär*innen)Infos unter:

Langer Aufruf & Material | Kurzaufruf [PDF] | Veranstaltungsreihe | Broschüre zu 100 Jahre revolution [Sonderseite] |Infos: www.fightandremember.blogsport.eu

November 1918: Die Mehrheit der Arbeiter*innen in Deutschland war es leid, für einen schier endlosen Krieg zu hungern, Waffen für das Morden zu produzieren oder sich damit zu arrangieren, dass ihre Familienangehörigen fürs Vaterland ins Gras beißen sollen. Bereits Ende Oktober verweigerten Kieler Matrosen den Befehl, in einer sinnlosen Seeschlacht ihr Leben zu lassen und entfachten am 3. November den »Kieler Matrosenaufstand«, der den Startschuß für die Novemberrevolution geben sollte. Die Revolution gab dem morschen Kaiserreich den Rest. Und sie verhalf den lang blockierten Forderungen der Arbeiter*innenbewegung nach dem Frauen*wahlrecht und einem Acht-Stunden-Tag zum Durchbruch. Die umfassende Rätebewegung damals, die sich basisdemokratisch organisierte und in der Lage war, in verschiedenen Teilen Deutschlands Massenstreiks und Aufstände anzuzetteln, hat bis heute einen Vorbildcharakter, der aufzeigt: Es ist möglich! Revolution, Räte, Frauen*kämpfe und Streiks sind keine Thema der Vergangenheit. Sie können auch heute noch ein Modell für die Organisierung revolutionärer Bewegungen sein. Das Scheitern der Räte 1918/1919 sollte kein Argument für mehr Zentralismus sein, sondern sollte Anreiz geben diese kommunale, an den Interessen der Menschen orientiere Organisationsform auch hier weiter zu entwickeln und an die lokalen Gegebenheuten anzupassen.
Auch heutzutage gibt es revolutionäre Bewegungen, die auf Rätestrukturen basieren: zum Beispiel die Zapatist@s in Chiapas/Mexiko und der demokratische Konförderalismus in Rojava/Nordsyrien. Hier vermischen sich soziale und nationale Befreiungsbewegungen, entstanden aus Widerstand gegen die Unterdrückung von Indigen@s bzw. der Kurd*innen. Im Gegensatz zu den historischen Räten in Deutschland beruht die Organisierung hier nicht auf Arbeiter*innenräten, sondern liegt in der Verantwortung der lokalen Communities der Bezirke, Städte und Dörfer. Wirtschaftlich wird in Rojava vor allem auf die Bildung von Genossenschaften abgezielt, wobei wichtig ist, dass die Region stark agraisch geprägt ist und es kein großes Industrieproletariat existiert. Außerdem wird explizit die Bildung von autonomen Räten der Frauen* oder etwa auch der Jugend vorangetrieben. Dies hat im Vergleich zu den Strukturen in der Novemberrevolution den Vorteil, dass der geringen Repräsentation von Frauen*, so wie der Unsichtbarmachung jener Frauen*, die keiner Lohnarbeit nachgehen, entgegen gewirkt wird. Fortschrittliche Bewegungen können und müssen voneinander lernen, jedoch ohne zu die Kämpfe in der Ferne zu idealisieren, bloße Projektionsflächen zu schaffen und die unterschiedlichen Kampfbedingungen der verschiedenen Länder auszuklammern. Ein Generalstreik scheint unter den aktuellen gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse in der BRD utopisch. Streiks, vor allem solche die sich nicht an die strengen Abläufe der Zentralgewerkschaften halten, müssen wieder als Kampfform wieder populärer gemacht werden. Spätestens dann, wenn der Nahverkehr streikt und die Bevölkerung nicht auf die Lohndrücker*innen, sondern auf die Streikenden schimpft, wäre dies der Anlass um uns z.B. durch Flugblattaktionen an den Bahnhöfen zu solidarisieren und zu radikaleren Kampfformen aufzurufen. In Zeiten, in denen sich die Arbeitswelt ernorm von der Zeit unterscheidet, in der die Mehrheit der Arbeiter*innen in Fabriken schufteten, is
t an Massenstreiks kaum zu denken. Darum müssen auch bewährte Formen des Streiks durch neue ergänzt werden. Bewegungen wie der Internationale Frauen*-Streik 2019 zielen zum Beispiel darauf ab unsichtbare Arbeit und schlechte Bezahlung von Frauen* und die Situation von illegalisierten, von Rassismus betroffenen Frauen* und Menschen mit nicht-(ausschließlich)männlicher Geschlechtsidentität sichtbar zu machen. Zudem stellt sich der Frauen*-Streik auch in die antiimperialistische und antimilitaristische Tradition der von Frauen* dominierten Streiks 1917 ein, indem er sich klar gegen Krieg und Waffenexporte positioniert.

So wie die Revolution 1918/1919 für uns Anlass ist, eine eigene Erzählung der Geschichte und deren fortschrittlicher Kämpfe sichtbar zu machen, so bietet auch dass Jahr 2019 mehrere Anlässe für ein radikal linke Geschichtsarbeit. Sei es der 80. Jahrestag des Beginns des 2. Weltkrieges am 1. September, den die Faschisten als »nationalen Anti-Kriegstag« begehen werden, 90 Jahre Blutmai 1929 in Berlin, 50 Jahre Stonewallriot, sowie das 30. Jubiläum der deutschen »Wiedervereinigung« am 9. November, als wichtiger Ausgangs- und Bezugspunkt von (wieder-)erstarkendem deutschen Großmachtstreben. Überlassen wir also die Deutung der Geschichte nicht den politischen Eliten oder der radikalen Rechten. Fangen wir im Januar 2019 damit an. Wir wollen uns der Errungenschaften der Revolution erinnern. Ebenso wollen wir den Hundertausenden gedenken, die in der revolutionären Phase 1918/19 für eine befreite Gesellschaft ihr Leben ließen. Wenn sich 2019 die Januarkämpfe und die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts zum 100. Mal jähren, möchten wir dies zum Anlass nehmen, um auf die Straße zu gehen – um zu gedenken und revolutionäre Geschichte sichtbar zu machen. Wir möchten euch dazu einladen, am 13. Januar am antifaschistischen-internationalistischen Block auf der Liebknecht-Luxemburg-Demo teilzunehmen und mit uns im Anschluß am Revolutionsdenkmal in Berlin-Lichtenberg zu gedenken.

Damals wie heute:
Alle Macht den Räten!
Proletarische Gegenmacht aufbauen!
Keine Revolution ohne Befreiung der Frau*!